„Marek Nachhilfe geben“

Wiens Bürgermeister Häupl ist bekanntermaßen niemand, der sich gerne im Licht der medialen Öffentlichkeit sonnt. Auch zum Interview mit mokant.at schickt er lieber Stadtrat Christian Oxonitsch, anstatt selbst unsere Fragen zu beantworten. Dieser zeigt sich im Gespräch optimistisch, die Absolute in der Hauptstadt halten zu können. Für Gegner Marek und Strache findet er dagegen nur abschätzige Worte.

mokant.at: Ich habe Bürgermeister Häupl für ein Interview angefragt und wurde auf Sie verwiesen. Spreche ich mit Häupls Nachfolger?
Christian Oxonitsch: (lacht) Nein. Es gibt keinen Nachfolger, wir haben einen Bürgermeister, der zur Wahl antritt und hoffentlich die Verantwortung über die Stadt weiter tragen wird. Ich habe das Interview übernommen, weil es um ein Jugendmagazin geht und das in meine Zuständigkeit fällt, das ist der einzige Grund.

mokant.at: Häupl hat also vor, die nächsten fünf Jahre zu bleiben?
Christian Oxonitsch: Das müssen Sie ihn fragen. Aber selbstverständlich gehe ich davon aus, dass er zumindest die maßgebliche Zeit bleibt. Es gibt andere Politiker, die in diesem Alter erst in die Politik eingestiegen sind. Ich sehe auch keine großen Ermüdungserscheinungen bei ihm.

mokant.at: Mokant.at ist ein Jugendmagazin, dessen Zielgruppe zwischen sechzehn und dreißig Jahre alt ist. Wie will die SPÖ in Wien diese Zielgruppe ansprechen?
Christian Oxonitsch: Durch eine Vielzahl von Maßnahmen. Man weiß, dass junge Menschen nicht in einzelne Schubladen zu drängen sind, daher gibt es eine sehr breite Angebotspalette. In meinem Bereich heißt das, dass ich alle Berufsschulen und viele Mittelschulen besucht habe und versucht habe, das Gespräch mit jungen Menschen zu führen. Auf der anderen Seite versuchen wir auch mit den Jugendkandidaten, die Leute zu erreichen. Ich glaube, das ist der Unterschied zu den anderen Parteien: Wir sagen nicht, kommt zu uns, sondern stellen uns dort der Diskussion, wo sich die Menschen aufhalten.

mokant.at: Wie passt da Michael Häupl noch ins Konzept? Er wird die Jungen weniger ansprechen als ein H.C. Strache.
Christian Oxonitsch: Davon bin ich gar nicht so überzeugt. Ich glaube es würde ein völliges Unterschätzen der jungen Menschen bedeuten, davon auszugehen, dass sie nur danach gehen, wer den angeblich gestählteren Körper hat. Ob da jetzt eine schusssichere Weste darunter ist oder der Bauch, ist mir eigentlich egal. Es spielt in dem Zusammenhang auch keine Rolle. Michael Häupl ist der Bürgermeister dieser Stadt, die gerade von jungen Menschen sehr stark geschätzt wird, und daher passt er da gut hinein, weil Werte wie Erfahrung für junge Menschen nicht unwesentlich sind.

mokant.at: Trotzdem scheint die SPÖ Mobilisierungsprobleme bei den Wahlen zu haben. Warum gelingt das einem Strache besser?
Christian Oxonitsch: Ich weiß nicht, ob es ihm besser gelingt, das werden wir in zwei Wochen sehen. Es wird immer so dargestellt, als ob es so sei. Dabei wissen wir aus den vergangenen Wahlanalysen, bei denen es geheißen hat, Strache spricht die jungen Menschen an, dass das in Wien schlicht und ergreifend nicht stimmt. Und ich bin davon überzeugt, dass es auch bei dieser Wahl nicht stimmen wird.  Und die letzten Umfragen zeigen einen deutlichen Vorsprung der SPÖ bei den Jungen.

mokant.at: Glauben Sie, die absolute Mehrheit ist wieder zu schaffen?
Christian Oxonitsch: Dafür arbeiten wir, ich hoffe es. Die Stimmung, die ich erlebe, zeigt, dass die Chance dafür intakt ist. Die nächsten zwei Wochen werden entscheiden, ob es gelingt, die Menschen davon zu überzeugen, bei der Sozialdemokratie ihr Kreuz zu machen und nicht für ein lustiges taktisches Spielchen irgendwelcher anderen Parteien.

mokant.at: Wenn das nicht funktioniert: Was passiert mit Michael Häupl?
Christian Oxonitsch: Dann wird er sicherlich sehr erfolgreich eine Koalitionsregierung führen, das ist ja auch nicht wirklich etwas Neues. Die Wähler sind nach diesen fünf Jahren von 1996 bis 2001 draufgekommen dass es doch gut ist, eine stabile Mehrheit zu haben, und ich bin davon überzeugt, es wird uns auch diesmal gelingen.

mokant.at: Die Grünen meinen, eine schwarz-rote Koalition ist fix im Fall der Fälle.
Christian Oxonitsch: Für uns ist das Ziel eindeutig und klar: wir wollen die absolute Mehrheit. Sollte das nach der Wahl nicht der Fall sein, werden wir darüber nachdenken müssen, aber jetzt gilt unsere ganze Kraft dem Kampf um die absolute Mehrheit.

mokant.at: FPÖ und ÖVP führen einen Sicherheitswahlkampf. Die SPÖ dagegen setzt auf einen „Alles ist gut in Wien“-Wahlkampf. Warum?
Christian Oxonitsch: Weil ich schlicht und ergreifend davon überzeugt bin, dass das Aufspringen auf diesen populistischen Zug die Sozialdemokratie nicht braucht. Ich merke bei Frau Marek, dass sie genau das tut, entgegen der ursprünglichen Ansage, eine sehr weltoffene Person zu sein. Das gilt sowohl in bildungspolitischen Fragen, wo es in Wahrheit ein Fortschreiben der Neugebauer‘schen Neins in der Bildungspolitik gibt, als auch bei ihren Plakaten, auf denen es heißt „Sprechen wir über Bildung, aber auf Deutsch“. Auf diesen Populismus-Zug aufzuspringen, das hat die Sozialdemokratie nie gemacht und ich glaube das ist auch gut so. Auf der anderen Seite sagen wir natürlich schon, dass die Sicherheit in der Stadt ein zentrales Thema ist. Aber wir operieren nicht mit Ängsten sondern versuchen, mit einer entsprechenden Sachpolitik zu argumentieren und Lösungen zu bieten. Da ist aber die Frau Innenministerin gefordert. Ich finde es interessant, dass die ÖVP, die derzeit die wenigen Polizisten zu verantworten hat, gerade jetzt durch die Gegend geht mit diesem Thema. Aber das lese ich ja auch im Bildungsbereich, die ÖVP schreit „Tausend Lehrer mehr!“, und diejenige, die tausend Lehrer den Wienern weggenommen hat, war Frau Gehrer (ÖVP-Bildungsministerin von 1995 bis 2007, Anmerkung der Redaktion).

mokant.at: Trotzdem investiert die SPÖ sehr viel Geld in den Wahlkampf.
Christian Oxonitsch: Selbstverständlich, wie alle anderen Parteien auch. Wir haben einen Wahlkampf zu führen, wir müssen die Wähler motivieren, zur Wahl zu gehen, und das tun wir auch. Aber ich glaube, wenn man sich ansieht, was andere Parteien investieren, sind wir da nicht im Spitzenfeld.

mokant.at: Sind Sie froh über das Plakat von Frau Marek, auf dem Häupl zu sehen ist?
Christian Oxonitsch: Es kann uns Schlimmeres passieren in einer Wahlauseinandersetzung, natürlich ist es recht lässig, dass sie wissen, dass sich Häupl einer großen Beliebtheit erfreut.

mokant.at: Marek ist nicht der Meinung, dass das Plakat Häupl zugutekommt.
Christian Oxonitsch: Schauen wir uns am Wahlabend an, wie die ÖVP damit reüssieren wird. (lacht)


Das gesamte Interview könnt ihr hier nachlesen.

Foto: mokant.at/hagen eilenberger